Category: German Literature

Jean Paul: Aphorismen.

Jean Paul heißt eigentlich eigentlich Johann Paul Friedrich Richter (1763 in Wunsiedel bis 1825 in Bayreuth), war ein deutscher Schriftsteller. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen der Klassik und der Romantik. Die von ihm gewählte Namensänderung geht auf Jean Pauls Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau zurück. Im folgenden sind einige Zitate aus seinen Werken.

Goethe: Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt. 1792

Aus J.W. Goethe: Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche., Bd. 16, S. 844-855 Herausgeber:Ernst Beutler. Entstehungsdatum: wohl April 1792. Erscheinungsdatum:1949.  Sobald der Mensch die Gegenstände um sich her gewahr wird, betrachtet er sie in bezug auf sich selbst, und mit Recht. Denn es hängt sein ganzes Schicksal davon ab, ob sie ihm gefallen oder mißfallen, ob sie ihn anziehen oder abstoßen, ob sie ihm nutzen oder schaden. Diese ganz natürliche Art, die Sachen anzusehen und zu beurteilen, scheint so leicht zu sein, als sie notwendig ist, und doch ist der Mensch dabei tausend Irrtümern ausgesetzt, die ihn oft beschämen und ihm...

Karl Kraus: Tourist Trip to Hell. 1920.

I have in my hands a  document that surpasses and seals the shame of this age, and would warrant assigning a place of honor in a cosmic boneyard to this money-hungry mess that calls itself mankind. If ever a newspaper clipping meant a clipping of creation-here we face the utter certainty that a generation to which such solicitations could be directed no longer has any better instincts to be violated.

Paul Celan: Mohn und Gedächtnis. 1952

Ein Lied in der Wüste Ein Kranz ward gewunden aus schwärzlichem Laub in der Gegend von Akra: dort riß ich den Rappen herum und stach nach dem Tod mit dem Degen. Auch trank ich aus hölzernen Schalen die Asche der Brunnen von Akra und zog mit gefälltem Visier den Trümmern der Himmel entgegen. Denn tot sind die Engel und blind ward der Herr in der Gegend von Akra, und keiner ist, der mir betreue im Schlaf die zur Ruhe hier gingen. Zuschanden gehaun ward der Mond, das Blümlein der Gegend von Akra: so blühn, die den Dornen es gleichtun, die...

Poetry, Nature, Thought. Rilke’s Late Poetry.

And we, spectators always, everywhere, turned towards everything, and never towards the open. It fills us. We arrange it. It decays. We arrange it again, and decay ourselves. Und wir: Zuschauer, immer, überall, dem allen zugewandt und nie hinaus! Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt. Wir ordnens wieder und zerfallen selbst. The German poet Rainer Maria Rilke wrote these lines in 1922; they are a part of the eighth Duino Elegy. It describes us humans as spectators. We are turned towards life, hungry for experience and excitement, but we don’t want to look at ourselves, and we resist change, even...

Robert Musil: Thinking about Water

Excerpt from Robert Musil’s “Man Without Qualities, ” Volume One. Translated by Eithne Wilkins and Ernst KaiserPicador (1979) “A chapter that can be skipped by anyone who has no very high opinion of thinking as an occupation MEANWHILE Ulrich was at home, sitting at his desk; working. He had got out the analysis that he had broken off short some weeks earlier when he had made his decision to return from abroad. He did not intend finishing it; it merely pleased him that he was still capable of doing this sort of thing. The weather was fine, but in the...

Possibility and Reality in Robert Musil

One of the key passages in Musil’s novel “Man without Qualities” (1930) explains why Ulrich, the main character, has no qualities. He lives as much in the realm of possibilities as he lives grounded in a sense of reality. He, and the whole society around him, exists in a state of floating, suspended between reality and possibility, past and future. The time and the place of the novel is Vienna, shortly before the start of the First World War, which will bring an end to the world-wide dominance of European culture. There are many similarities between Musil’s unfinished book, Proust’s...

Robert Musil

Robert Musil (1880-1942) is one of my favorite German writers; he has a very subtle irony and thinks like a philosopher. He is not very well known in the English-speaking world,  so here is a short description of his life and a few quotes. The Person Robert Musil Robert Musil’s character is very well described in the excellent web resource about his life and work, at RobertMusil.net. Here is a short quote from it: “Robert Musil was not very pleasant company. Adolf Frisé indexed, in his “Plädoyer für Robert Musil” (1982) the qualities that were associated with Robert Musil by...

Robert Musil – Vollendung der Liebe

Aus der Geschichtensammlung “Vereinigungen”, 1911. “Erinnerst du dich,” sagte plötzlich die Frau, “als du mich vor einigen Abenden küßtest, wußtest du, daß da etwas zwischen uns war? Es war mir etwas eingefallen, im gleichen Augenblick, etwas ganz Gleichgültiges, aber es war nicht du und es tat mir plötzlich weh, daß es nicht du sein mußte. Und ich konnte es dir nicht sagen und mußte erst über dich lächeln, weil du es nicht wußtest und mir ganz nah zu sein glaubtest, und wollte es dir dann nicht mehr sagen und wurde böse auf dich, weil du es nicht selbst fühltest, und...

Gottfried Benn

The following description of Gottfried Benn’s life is quoted from:  http://www.greeninteger.com) “The son of a Lutheran minister and a mother of French-Swiss extraction, Gottfried Benn was raised in the small German village of Mansfeld, in an area which is now part of Poland. There he was educated privately and in the Gymnasium at Frankfurt an der Oder, living in the same boarding-house as did the poet Klabund. In 1903, following his father’s desires, he entered the University of Marbach, studying theology and philosophy. But he soon switched to medicine at the Kaiser Wilhelm Akademie, a part of the University of...

Trakl: Offenbarung und Untergang

Seltsam sind die nächtigen Pfade des Menschen. Da ich nachtwandelnd an steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen, ein kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand zu Häupten wieder der schwarze Schatten der Fremdling in und schweigend verbarg ich das Antlitz in den langsamen Händen. Auch war am Fenster blau die Hyazinthe aufgeblüht und es trat auf die purpurne Lippe des Odmenden das alte Gebet, sanken von den Lidern kristallne Tränen geweint um die bittere Welt. In dieser Stunde war ich im Tod meines Vaters der weiße Sohn. In blauen Schauern kam vom...

Trakl – Gedichte

Grodek 2. Fassung Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder. Doch stille sammelt im Weidengrund Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle; Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain, Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter; Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes. O stolzere Trauert ihr ehernen Altäre Die...

Franz Kafka: Before The Law

BEFORE THE LAW stands a doorkeeper. To this doorkeeper there comes a man from the country and prays for admittance to the Law. But the doorkeeper says that he cannot grant admittance at the moment. The man thinks it over and then asks if he will be allowed in later. “It is possible,” says the doorkeeper, “but not at the moment.” Since the gate stands open, as usual, and the doorkeeper steps to one side, the man stoops to peer through the gateway into the interior. Observing that, the doorkeeper laughs and says: “If you are so drawn to it,...

Hölderlin: Urteil und Sein

Im Folgenden finden Sie einige Texte von Hölderlin, aus den Schriften von 1795 bis 1805 Urteil und Sein Urteil ist im höchsten und strengsten Sinne die ursprüngliche Trennung des in der intellektualen Anschauung innigst vereinigten Objekts und Subjekts, diejenige Trennung, wodurch erst Objekt und Subjekt möglich wird, die Ur=Teilung. Im Begriffe der Teilung liegt schon der Begriff der gegenseitigen Beziehung des Objekts und Subjekts aufeinander, und die notwendige Voraussetzung eines Ganzen, wovon Objekt und Subjekt die Teile sind. »Ich bin Ich« ist das passendste Beispiel zu diesem Begriffe der Urteilung, als Theoretischer Urteilung, denn in der praktischen Urteilung setzt es sich dem Nichtich, nicht sich...

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Johann Wolfgang von Goethe was born in Frankfurt on August 28, 1749. In his youth Goethe studied the usual school subjects Latin, Greek, French, Italian and Hebrew. He also learned about painting and music and wrote his first funny and devotional verses in the style of the time. In the fall of 1765 Goethe left Frankfurt and went to Leipzig as a student of jurisprudence. Rather neglecting his studies, he took drawing lessons instead and had lessons in copperplate engraving, woodcutting, and etching techniques.At the age of 17 he fell in love with Kätchen Schönkopf, daughter of his landlord, wrote...

Kafka: In der Strafkolonie

In der Strafkolonie (In the Penal Colony) “Es ist ein eigentümlicher Apparat”, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und überblickte mit einem gewissermaßen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat. Der Reisende schien nur aus Höflichkeit der Einladung des Kommandanten gefolgt zu sein, der ihn aufgefordert hatte, der Exekution eines Soldaten beizuwohnen, der wegen Ungehorsam und Beleidigung des Vorgesetzten verurteilt worden war. Das Interesse für diese Exekution war wohl auch in der Strafkolonie nicht sehr groß. Wenigstens war hier in dem tiefen, sandigen, von kahlen Abhängen ringsum abgeschlossenen kleinen Tal außer dem Offizier und dem Reisenden nur der Verurteilte, ein...

Kafka Denkmal Prag

Kafka: Das Urteil

Eine Geschichte Für F. Es war an einem Sonntagvormittag im schönsten Frühjahr. Georg Bendemann, ein junger Kaufmann, saß in seinem Privatzimmer im ersten Stock eines der niedrigen, leichtgebauten Häuser, die entlang des Flusses in einer langen Reihe, fast nur in der Höhe und Färbung unterschieden, sich hinzogen. Er hatte gerade einen Brief an einen sich im Ausland befindenden Jugendfreund beendet, verschloß ihn in spielerischer Langsamkeit und sah dann, den Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt, aus dem Fenster auf den Fluß, die Brücke und die Anhöhen am anderen Ufer mit ihrem schwachen Grün. Er dachte darüber nach, wie dieser Freund, mit...

Kafka: Die Verwandlung

Die Verwandlung (The Metamorphosis) Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen. “Was ist mit mir geschehen?” dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag...