Category: German Texts

Pages and Posts in German.

Wilhelm Reich: Die sexuelle Revolution. 1936

Wilhelm Reich (1897 – 1957) is an unusual psychoanalyst: He connects psychoanalysis with a Marxist analysis of society, and he revolutionizes psychoanalytic treatment by directly including the body. His writings inspired various forms of body-oriented psychotherapies. He is also much more explicit than many other psychoanalysts about working with the client’s sexuality. The following excerpt from his 1936 book “The Sexual Revolution” examines how the family structure translates the oppression of capitalist modern states (which are still authoritarian) into the repression of sexual impulses. Psychoanalysis studies these forms of repressions as “symptoms”, for instance in obsessive-compulsive behaviors. In Reich’s analysis,...

Karl Marx: Theses On Feuerbach. 1845

Karl Marx wrote his “Theses on Feuerbach” in the Spring of 1845. Friedrich Engels made some editing changes, and the short and sketchy text was published much later (after Marx’s death) as an appendix to Ludwig Feuerbach and the End of Classical German Philosophy in 1888.  Source: Marx/Engels Selected Works, Volume One, p. 13 – 15. Introduction The “Theses on Feuerbach” are eleven short philosophical notes that were meant to outline the first chapter of the book The German Ideology. The 11th thesis became famous and was used on Marx’s grave. “Philosophers have hitherto only interpreted the world in various...

C.G. Jung: Die sieben Reden an die Toten. 1916

Einleitung Der ägyptische Gnostiker Basilides in Alexandria (117 – 138 AD) bezeichnete das Symbol des höchsten Urwesens mit “Abraxas” (griechisch Ἀβρασάξ, Ἀβράξας). Aus diesem Urwesen entstehen die fünf Urkräfte: Geist(Nous), Wort ( Logos), Vorsehung (Phronesis), Weisheit(Sophia), sowie Macht und sittliche Vollkommenheit, die inneren Frieden einschliesst. Basilides verarbeitete verschiedene christlich-jüdische, persische und neuplatonische Überlieferungen zu einem dualistischen Weltbild.Das frühe Christentum war stark gnostisch geprägt, gnostische Richtungen gab es auch im Judentum, und sogar der Islam hat seine Gnostiker (die Sufis). Die Gnostiker gehen davon aus, dass der Kern eines jeden Menschen ein “göttlicher Funke” ist. Der göttliche Funke ist unsterblich, er existiert außerhalb...

Jean Paul: Aphorismen.

Jean Paul heißt eigentlich eigentlich Johann Paul Friedrich Richter (1763 in Wunsiedel bis 1825 in Bayreuth), war ein deutscher Schriftsteller. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen der Klassik und der Romantik. Die von ihm gewählte Namensänderung geht auf Jean Pauls Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau zurück. Im folgenden sind einige Zitate aus seinen Werken.

Goethe: Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt. 1792

Aus J.W. Goethe: Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche., Bd. 16, S. 844-855 Herausgeber:Ernst Beutler. Entstehungsdatum: wohl April 1792. Erscheinungsdatum:1949.  Sobald der Mensch die Gegenstände um sich her gewahr wird, betrachtet er sie in bezug auf sich selbst, und mit Recht. Denn es hängt sein ganzes Schicksal davon ab, ob sie ihm gefallen oder mißfallen, ob sie ihn anziehen oder abstoßen, ob sie ihm nutzen oder schaden. Diese ganz natürliche Art, die Sachen anzusehen und zu beurteilen, scheint so leicht zu sein, als sie notwendig ist, und doch ist der Mensch dabei tausend Irrtümern ausgesetzt, die ihn oft beschämen und ihm...

Paul Celan: Mohn und Gedächtnis. 1952

Ein Lied in der Wüste Ein Kranz ward gewunden aus schwärzlichem Laub in der Gegend von Akra: dort riß ich den Rappen herum und stach nach dem Tod mit dem Degen. Auch trank ich aus hölzernen Schalen die Asche der Brunnen von Akra und zog mit gefälltem Visier den Trümmern der Himmel entgegen. Denn tot sind die Engel und blind ward der Herr in der Gegend von Akra, und keiner ist, der mir betreue im Schlaf die zur Ruhe hier gingen. Zuschanden gehaun ward der Mond, das Blümlein der Gegend von Akra: so blühn, die den Dornen es gleichtun, die...

Heidegger: Brief über den Humanismus. 1947

[5] Wir bedenken das Wesen des Handelns noch lange nicht entschieden genug. Man kennt das Handeln nur als das Bewirken einer Wirkung. Deren Wirklichkeit wird geschätzt nach ihrem Nutzen. Aber das Wesen des Handelns ist das Vollbringen. Vollbringen heißt: etwas in die Fülle seines Wesens entfalten, in diese hervorgeleiten, producere. Vollbringbar ist deshalb eigentlich nur das, was schon ist. Was jedoch vor allem «ist», ist das Sein. Das Denken vollbringt den Bezug des Seins zum Wesen des Menschen. Es macht und bewirkt diesen Bezug nicht. Das Denken bringt ihn nur als das, was ihm selbst vom Sein übergeben ist, dem...

Hegel: Phänomenologie des Geistes. (1807)

Sektion 4, A und B. IV. Die Wahrheit der Gewißheit seiner selbst In den bisherigen Weisen der Gewißheit ist dem Bewußtsein das Wahre etwas anderes als es selbst. Der Begriff dieses Wahren verschwindet aber in der Erfahrung von ihm; wie der Gegenstand unmittelbar an sich war, das Seiende der sinnlichen Gewißheit, das konkrete Ding der Wahrnehmung, die Kraft des Verstandes, so erweist er sich vielmehr nicht in Wahrheit zu sein, sondern diesAn-sich ergibt sich als eine Weise, wie er nur für ein Anderes ist; der Begriff von ihm hebt sich an dem wirklichen Gegenstande auf, oder die erste unmittelbare Vorstellung in der Erfahrung,...

Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt

Das Interview wurde am 28.10.1964 veröffentlicht. Was bleibt? Es bleibt die Muttersprache. Hannah Arendt’s Biographie: Hannah Arendt, geboren am 14. Oktober 1906 in Hannover, gestorben am 4. Dezember 1975 in New York. Aufgewachsen in Königsberg. Studium der Philosophie, Theologie und des Griechischen. 1933 aus rassischen Gründen emigriert. Bis 1940 Arbeit in einer Wohlfahrtsorganisation in Paris. Seit 1941 in den USA, war sie zunächst freie Journalistin, dann Lektorin, später Geschäftsführerin der Jewish Cultural Reconstruction. Nach eigenen Worten »fahrender Scholar« – Lehre der Politischen Theorie an verschiedenen Universitäten. 1963 Professorin an der Universität von Chicago. Ab 1967 »university professor« an der Graduate...

Meister Eckhart – Predigt 52

Sermon 52 on  Blessed are the Poor (Matthew 5,3) is from Eckhart’s last period in life. I found the German text, and here it is: Beati pauperes spiritu, quoniam ipsorum est regnum caelorum. “Die Seligkeit selbst öffnete den Mund der Weisheit und sprach: „Selig, die arm sind an Geist, denn ihnen gehört das Himmelreich“. Alle Engel, alle Heiligen und alles, was geboren wurde, alle müssen sie schweigen, sobald die Weisheit des Vaters spricht. Ist doch allle Weisheit der Engel und aller Geschöpfe reine Torheit vor der unergründlichen Weisheit Gottes. Und sie hat behauptet, die Armen seien selig. Nun gibt es...

Robert Musil – Vollendung der Liebe

Aus der Geschichtensammlung “Vereinigungen”, 1911. “Erinnerst du dich,” sagte plötzlich die Frau, “als du mich vor einigen Abenden küßtest, wußtest du, daß da etwas zwischen uns war? Es war mir etwas eingefallen, im gleichen Augenblick, etwas ganz Gleichgültiges, aber es war nicht du und es tat mir plötzlich weh, daß es nicht du sein mußte. Und ich konnte es dir nicht sagen und mußte erst über dich lächeln, weil du es nicht wußtest und mir ganz nah zu sein glaubtest, und wollte es dir dann nicht mehr sagen und wurde böse auf dich, weil du es nicht selbst fühltest, und...

Trakl: Offenbarung und Untergang

Seltsam sind die nächtigen Pfade des Menschen. Da ich nachtwandelnd an steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen, ein kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager hinsank, stand zu Häupten wieder der schwarze Schatten der Fremdling in und schweigend verbarg ich das Antlitz in den langsamen Händen. Auch war am Fenster blau die Hyazinthe aufgeblüht und es trat auf die purpurne Lippe des Odmenden das alte Gebet, sanken von den Lidern kristallne Tränen geweint um die bittere Welt. In dieser Stunde war ich im Tod meines Vaters der weiße Sohn. In blauen Schauern kam vom...

Trakl – Gedichte

Grodek 2. Fassung Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder. Doch stille sammelt im Weidengrund Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle; Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain, Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter; Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes. O stolzere Trauert ihr ehernen Altäre Die...

Hamlet: Sein oder Nicht-sein

(Deutschsprachige Übersetzung nach August Wilhelm von Schlegel, 1767-1845.) SEIN ODER NICHT-SEIN Hamlet: Sein oder nicht sein; das ist hier die Frage: Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern Des wütenden Geschicks erdulden oder, Sich waffnend gegen eine See von Plagen, Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen – Nichts weiter! Und zu wissen, daß ein Schlaf Das Herzweh und die tausend Stöße endet, Die unsers Fleisches Erbteil, ‘s ist ein Ziel, Aufs innigste zu wünschen. Sterben – schlafen – Schlafen! Vielleicht auch träumen! Ja, da liegts: Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, Wenn wir die irdische Verstrickung lösten, Das...

Hölderlin: Urteil und Sein

Im Folgenden finden Sie einige Texte von Hölderlin, aus den Schriften von 1795 bis 1805 Urteil und Sein Urteil ist im höchsten und strengsten Sinne die ursprüngliche Trennung des in der intellektualen Anschauung innigst vereinigten Objekts und Subjekts, diejenige Trennung, wodurch erst Objekt und Subjekt möglich wird, die Ur=Teilung. Im Begriffe der Teilung liegt schon der Begriff der gegenseitigen Beziehung des Objekts und Subjekts aufeinander, und die notwendige Voraussetzung eines Ganzen, wovon Objekt und Subjekt die Teile sind. »Ich bin Ich« ist das passendste Beispiel zu diesem Begriffe der Urteilung, als Theoretischer Urteilung, denn in der praktischen Urteilung setzt es sich dem Nichtich, nicht sich...

Kafka: In der Strafkolonie

In der Strafkolonie (In the Penal Colony) “Es ist ein eigentümlicher Apparat”, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und überblickte mit einem gewissermaßen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat. Der Reisende schien nur aus Höflichkeit der Einladung des Kommandanten gefolgt zu sein, der ihn aufgefordert hatte, der Exekution eines Soldaten beizuwohnen, der wegen Ungehorsam und Beleidigung des Vorgesetzten verurteilt worden war. Das Interesse für diese Exekution war wohl auch in der Strafkolonie nicht sehr groß. Wenigstens war hier in dem tiefen, sandigen, von kahlen Abhängen ringsum abgeschlossenen kleinen Tal außer dem Offizier und dem Reisenden nur der Verurteilte, ein...

Kafka Denkmal Prag

Kafka: Das Urteil

Eine Geschichte Für F. Es war an einem Sonntagvormittag im schönsten Frühjahr. Georg Bendemann, ein junger Kaufmann, saß in seinem Privatzimmer im ersten Stock eines der niedrigen, leichtgebauten Häuser, die entlang des Flusses in einer langen Reihe, fast nur in der Höhe und Färbung unterschieden, sich hinzogen. Er hatte gerade einen Brief an einen sich im Ausland befindenden Jugendfreund beendet, verschloß ihn in spielerischer Langsamkeit und sah dann, den Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt, aus dem Fenster auf den Fluß, die Brücke und die Anhöhen am anderen Ufer mit ihrem schwachen Grün. Er dachte darüber nach, wie dieser Freund, mit...